So funktioniert Roaming – und so vermeidest du böse Überraschungen
Aktualisiert am 05.11.2026
Roaming sorgt dafür, dass dein Handy auch außerhalb deines Heimatlands funktioniert. Seit 2017 fühlt sich Reisen innerhalb der EU mit einer europäischen SIM fast an wie zu Hause – und genau deshalb vergessen viele, dass außerhalb der EU ganz andere Regeln gelten. Als Telekommunikationsbetreiber sehen wir bei Startia immer wieder Rechnungen, die sich mit ein, zwei Einstellungen hätten vermeiden lassen. In diesem Ratgeber erfährst du, wie Roaming im Hintergrund funktioniert, was die EU-Regeln genau abdecken, warum es jenseits davon teuer wird und welche Alternativen du hast.
So funktioniert Roaming im Hintergrund
Dein Mobilfunkanbieter betreibt nur in seinem eigenen Land Sendemasten. Im Ausland verbindet sich dein Handy mit dem Netz eines fremden Betreibers, mit dem dein Anbieter ein Roaming-Abkommen hat. Dieser Betreiber versorgt dich und stellt deinem Anbieter dafür ein Großhandelsentgelt für Daten, Anrufe und SMS in Rechnung. Dein Anbieter gibt diese Kosten dann gemäß deinem Tarif an dich weiter.
Der Roaming-Preis hängt also von zwei Dingen ab: was das ausländische Netz deinem Anbieter berechnet und was dein Anbieter dir berechnet. Innerhalb der EU ist beides reguliert, außerhalb nicht.
„Roam like at home“ in der EU
Seit Juni 2017 verpflichtet die EU-Verordnung „Roam like at home“ die Betreiber in der EU, für die Nutzung in einem anderen Land des Europäischen Wirtschaftsraums dasselbe zu berechnen wie im Inland. 2022 wurde die Regelung bis 2032 verlängert; sie gilt in den 27 EU-Staaten sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen. Hast du eine SIM eines europäischen Anbieters und reist innerhalb dieses Gebiets, brauchst du meist nichts weiter.
Es gibt aber Grenzen, die du kennen solltest:
- Faire Nutzung. Die Regelung ist für Reisen gedacht, nicht für ein Leben im Ausland. Bist du über längere Zeit mehr im Ausland als zu Hause, darf dein Anbieter Aufschläge verlangen. Bei Tarifen mit sehr viel Datenvolumen oder ohne Datenobergrenze im Inland kann er außerdem ein Roaming-Datenlimit festlegen und darüber hinaus einen regulierten Aufschlag berechnen.
- Großbritannien ist nicht dabei. Seit dem Brexit gilt die EU-Regelung dort nicht mehr. Manche Anbieter schließen das Land freiwillig ein, andere verlangen eine Tagespauschale. Informiere dich vorher oder sieh dir unsere Angebote für Großbritannien an.
- Die Schweiz auch nicht. Obwohl mitten in Europa, gehört sie weder zum EWR noch zur Regelung. Dasselbe gilt für Andorra oder Monaco. Reist du in die Schweiz, prüfe die Bedingungen deines Anbieters.
- Kreuzfahrtschiffe und Flugzeuge sind ausgenommen. Auf See und in der Luft verbindet sich das Handy mit Satellitennetzen, die keine europäischen Landnetze sind und sehr teuer werden können. Schalte in den Flugmodus oder die mobilen Daten aus.
- Vorsicht in Grenznähe. Nahe einer Nicht-EU-Grenze – etwa am Bodensee oder in Grenzorten zur Schweiz – kann sich dein Handy in ein Schweizer Netz einbuchen, obwohl du das Land gar nicht verlassen hast.
Warum Roaming außerhalb der EU teuer ist
Außerhalb der EU gibt es keine regulierten Obergrenzen. Jeder Anbieter handelt seine eigenen Großhandelsverträge aus, und was er dem ausländischen Netz zahlt, ist meist deutlich höher. Viele Anbieter bieten Tages- oder Reisepakete an, doch die enthalten oft wenig Datenvolumen und werden automatisch aktiviert, sobald sich das Handy verbindet – selbst wenn es nur im Hintergrund ein App-Update lädt. Beliebte Ziele wie die USA, Marokko, die Türkei oder Japan sind in Standardtarifen meist nicht enthalten.
Die Alternative: eine Reise-eSIM
Eine Reise-eSIM ist ein Prepaid-Datentarif für dein Reiseziel, den du installierst, ohne deine SIM-Karte herauszunehmen. Du zahlst im Voraus für ein bestimmtes Datenvolumen oder eine Anzahl Tage, kennst die Kosten von Anfang an und erlebst nach der Rückkehr keine Überraschungen. Deine gewohnte SIM bleibt für Anrufe und SMS im Handy, die eSIM übernimmt die Daten. Besonders lohnt sie sich, wenn:
- du außerhalb der EU unterwegs bist, Großbritannien und die Schweiz eingeschlossen;
- du von außerhalb Europas anreist und „Roam like at home“ für deine SIM nicht gilt. Für eine Rundreise durch mehrere Länder lohnt ein Blick in unseren Überblick über eSIMs für Europa;
- dein Tarif nur ein kleines Roaming-Datenlimit hat und du viele Daten brauchst.
Lokale SIM oder eSIM?
Eine physische SIM-Karte vor Ort zu kaufen ist ebenfalls möglich. Das kann sich bei langen Aufenthalten lohnen oder wenn du eine lokale Nummer brauchst. Dafür musst du nach der Ankunft einen Laden finden, die SIM in vielen Ländern mit deinem Reisepass registrieren und deine gewohnte SIM herausnehmen – mit dem Risiko, sie zu verlieren. Eine Reise-eSIM kaufst und installierst du vor der Abreise, und sie funktioniert direkt nach der Landung, ganz ohne Kartenwechsel. Beachte: Unsere eSIMs sind reine Daten-eSIMs ohne lokale Telefonnummer.
So vermeidest du Kostenfallen
- Schalte das Datenroaming deiner Heimat-SIM aus, bevor du die EU verlässt. Das ist die wichtigste Einstellung überhaupt.
- Nutzt du eine Reise-eSIM, behalte sie als Datenleitung, schalte für sie Roaming ein und deaktiviere den automatischen Datenwechsel zwischen den Leitungen.
- Vorsicht bei WLAN-Telefonie. Je nach Anbieter wird ein WLAN-Anruf aus dem Ausland wie ein Inlandsgespräch oder als Roaming abgerechnet – oder er funktioniert gar nicht. Bricht das WLAN ab, kann das Handy ins ausländische Mobilfunknetz wechseln. Frag am besten deinen Anbieter.
- Auch eingehende Anrufe können außerhalb der EU kosten. Erwartest du keine, leite sie auf die Mailbox um oder nutze Messenger-Apps.
- Lies die Hinweise deines Anbieters. EU-Anbieter müssen dir bei der Ankunft in einem anderen Land per SMS ihre Konditionen schicken und standardmäßig eine Kostengrenze für Datenroaming setzen, mit Warnung vor dem Erreichen. Du kannst sie ändern – schalte sie aber nicht leichtfertig ab.
Häufige Fragen
Zahle ich in Großbritannien Roaming-Gebühren mit einer deutschen SIM?
Das hängt von deinem Anbieter ab. Seit dem Brexit gilt die EU-Regelung dort nicht mehr, jeder Anbieter legt eigene Bedingungen fest.
Gilt „Roam like at home“ auch in der Schweiz?
Nein. Die Schweiz gehört weder zum EWR noch zur Verordnung, auch wenn manche Anbieter sie freiwillig einschließen.
Was passiert, wenn ich mein Handy auf einer Kreuzfahrt nutze?
Auf See laufen Verbindungen über Satellitennetze, die nicht unter die EU-Regeln fallen und sehr teuer sein können. Schalte den Flugmodus ein.
Brauche ich für Reisen innerhalb der EU eine Reise-eSIM?
Mit einer europäischen SIM meist nicht. Sie kann sich lohnen, wenn dein Roaming-Datenlimit klein ist oder deine SIM von außerhalb Europas stammt.
Bin ich mit einer Reise-eSIM weiter telefonisch erreichbar?
Ja. Deine gewohnte SIM bleibt für Anrufe und SMS im Handy; schalte nur ihr Datenroaming aus.
Warum muss ich bei der Reise-eSIM Roaming einschalten?
Weil sich die eSIM im Reiseland mit Partnernetzen verbindet. Ohne aktiviertes Roaming auf dieser Leitung kommt sie nicht ins Internet.